Presseberichte

Bericht aus dem Lokalkompass vom 13.10.2018

Dixi Klo – Dixi Klo war mein erster Gedanke, als ich den Innenraum der kleinen Propellermaschine vorhin zum ersten Mal sah. Aber natürlich nur der Größe wegen oder vielleicht auch ein kleines bisschen, weil ich mich bei dem Piloten auf dem Weg zum Flieger gerade noch nach dem Vorhandensein von Spuckbeuteln (im allgemeinen Sprachgebrauch meist als Kotztüte bezeichnet, österreich. Speibsacker – der Ausdruck gefällt mir sehr!) erkundigt habe. Obwohl der Einstieg recht hoch war, hatte ich sitzend ein ähnliches Gefühl wie damals, als mein Bruder sich einen tiefer gelegten Manta GT/E zulegte (BEVOR die Manta-Manta Filme herauskamen) und wir Mitte der 80iger damit durch Wesel „cruisten“. Ich überlegte mir beim Reinsetzen also schon, wie ich mit meinem lädierten Rücken später wieder rauskomme. Aber was mache ich überhaupt hier und wie ist es dazu gekommen!?

Wieder mal Ferien – wieder mal kein auswärtiger Urlaub – wieder mal mein plapperiges Mundwerk! Gehe ich doch regelmäßig bei meinen Spaziergängen zum Rhein auch an der Tante Ju vorbei, wo bei schönem Wetter meistens auch ein paar Luftsportfreunde vor ihrem Vereinshaus sitzen. Als freundlicher Mensch grüßt man sich natürlich dann irgendwann mal, darf seinen Hund am hauseigenen Wasserhahn „auftanken“ und unterhält sich mit den anwesenden Hundehaltern dann auch schon mal über Dieselben. Und ZACK (abschweifen und Thema wechseln, auch mitten im Satz= mein Spezialgebiet) ist man auch schon beim Thema Fliegen, den Kosten dafür und überhaupt, wäre ja mal schön Wesel von oben zu sehen. Also: Guten Kurs bekommen, Termin ausgemacht (Heute = Ferienanfangsüberraschung für meinen Sohn) und nachmittags, unter dem Vorwand bei der Tante Ju `ne Cola trinken zu gehen, hin geschlendert. Mein „Kleiner“ ist ja beinahe „aus allen Wolken gefallen“ (der Tandemsprung steht übrigens als nächstes auf seine Wunschliste) und flog dann vor mir seine Runde. Ein Highlight für ihn: Den Steuerknüppel in der Luft übernehmen zu dürfen; habe ICH sofort dankend abgelehnt.

Mir wurde dann so langsam ein wenig mulmig, bin ich zwar schon `zig Male in großen Passagiermaschinen geflogen, stellte ich mir den Flug in so einer kleinen Propellermaschine vor, wie die Fahrt auf dem „Piratenschiff“ damals im Griechenland Urlaub (Kreta), wo das Boot nicht nur nach vorne und hinten schwankte, sondern auch nach links und rechts (Backbord und Steuerbord). Mir war damals soooooo übel, dass ich die ganze Zeit über der Reling hing bzw. unter Deck lag und dann am Zielort angelangt für 200 Mark mit dem Taxi die Rückfahrt antrat. Komisch, aber genau daran musste ich plötzlich denken… Die ersten 3 Kilo hatte ich also schon runter geschwitzt BEVOR ich überhaupt im Flieger saß. Aber NEIN liebe Leute, das wird jetzt hier keine Horrorgeschichte nach der niemand mehr in ein Flugzeug steigen möchte, ganz im Gegenteil!

Jetzt fange ich nämlich an zu schwärmen. Von dem unglaublich sanften Anstieg z.B., von der plötzlichen Leichtigkeit des eigenen Körpergefühls und der atemberaubenden Aussicht. Innerhalb von ein paar Minuten hatten wir unsere Flughöhe von ca. 2000 Metern erreicht (die Tandemspringer müssen auf 4000 hoch!) und flogen erstmal Richtung Xanten am Rhein entlang, dann in zügiger Linkskurve (kurzer Aussetzer sämtlicher Körperfunktionen) zurück, eine großzügige Runde über Wesel und dann kurz gen Ruhrgebiet. Ein Kontrastprogramm, vor allem da man (aufgrund der niedrigen Flughöhe) alles wunderbar sehen konnte. Eine Miniatur-Welt, ein Miniatur-WESEL, Straßen, Gebäude, Plätze, Wiesen, Wälder, Seen, und, und, und… alles wohl bekannt aber nun neu entdeckt. Die neue Perspektive hat eine neue Liebe zur Stadt entfacht und ich bin verzückt, beglückt, entrückt aus der Wirklichkeit…

Wie beschrieb Tania Blixen ihren ersten Flug in ihrem Buch „Afrika – Dunkel lockende Welt“ (verfilmt unter dem Titel JENSEITS VON AFRIKA): „Und später, nicht lange vor Tsavo, machte er mir noch eins, ein unglaubliches Geschenk. Einen flüchtigen Blick auf die Welt durch Gottes Augen. Und ich dachte: Ja, ich begreife, so war`s gemeint...“ – BÄÄÄM – Genau DAS beschreibt so ein Flugerlebnis. Nicht vergleichbar mit den sanften, schnellen Flügen in vollbesetzen, ventilatorleisen Airbussen die uns in ferne Länder bringen. Klein aber fein, etwas rumpelig und laut, aber eben ganz nah dran. Man "schießt" nicht über die Landschaften hinweg sondern gleitet in Zeitlupe darüber. Beim Landeanflug war ich dem Postturm so nah, dass ich nach ihm greifen wollte, flog über unser Haus und meinte meine Nachbarin mit dem Hund Gassi gehen zu sehen. Apropos Landung: In unserer Flughöhe angekommen fragte ich vorsichtig nach, ob wir nicht für immer oben hier bleiben könnten, weil ich so einen Höllenrespekt vor dem Sinkflug hatte; aber der war dann genauso unspektakulär wie der Aufstieg. By the way: Peter M. (unser Pilot, eine Seele von Mensch) strahlte eine Ruhe und Sicherheit aus, die mich vermutlich auch in dem sehr unwahrscheinlichen Fall von Druckabfällen, Turbulenzen oder anderen Panikauslösern wieder beruhigt hätte. Zudem ist er mega sympatisch und unterhaltsam: "Hast du eigentlich schon mal einen Fallschirmsprung gemacht?" "Ich bin Pilot und springe doch nicht freiwillig aus einem fliegenden Flugzeug!" oder "Bin ich eigentlich blass?" "Soll ich mal die Türen aufmachen?" - Herrlich! Mal wieder alles richtig gemacht – YEAH - und nach 9 trockenen, leicht salzig schmeckenden Pizzabrötchen und 2 Gläsern Cola kann ich langsam auch wieder laufen ohne zu schwanken...

Infos und Kontaktdaten zu den Luftsportfreunden Wesel-Rheinhausen findet ihr übrigens hier: https://www.lsf-wesel-rheinhausen.de/Index.html SEHR ZU EMPFEHLEN!

Heike Mühlen
aus Wesel
13. Oktober 2018, 09:14 Uhr

veröffentlicht im Lokalkompass